Lamentatio Jeremiae Prophetae, op. 93

Ernst Krenek (1900 - 1991)

Kaum mag man sich vorstellen als mittelloser Flüchtling in einem fremden Land Fuß zu fassen zu müssen und von Grund auf ein neues Leben zu beginnen. Als Krenek im November 1941 dieses mächtige, über eine Stunde lang dauernde Chorwerk schrieb, befand er sich in einer miserablen Situation: Weit weg von seiner Geburtsstadt Wien, seinem Freundeskreis und Arbeitsumfeld sowie den geliebten Eltern, lebte er in den USA und musste als unbekannter Künstler einem Brotjob als Lehrer nachgehen. Amerika stand kurz vor dem Eintritt in den Zweiten Weltkrieg und die Aussichten auf eine Rückkehr nach Europa waren für Krenek mehr als düster.

Der Text für diese Komposition stammt aus dem Alten Testament: Es sind Ausschnitte der Klagelieder des Propheten Jeremias, die den Untergang Jerusalems beschreiben, also eine Art Apokalypse. Krenek beschäftigte sich in dieser Zeit an der Universität mit der Vokalmusik der Renaissancezeit. Ähnlich diesen Werken, entstand mit "Lamentatio Jeremiae Prophetae" ein zartes Gewebe aus Stimmen. Klagend und traurig schweben sie hier außerhalb von Raum und Zeit.  

 

Ausschnitt Wandteppich Zyklus der Apokalypse von Angers
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