Zeitgenossenschaft! Im Brennpunkt: Krenek und Weill

Neuerscheinung

2016 kam es zu einer spannenden, von Matthias Henke angeregten Kooperation zwischen dem Ernst Krenek Institut Krems und der Kurt Weill Gesellschaft Dessau. Im Rahmen des jährlichen, von Letzterer getragenem Festival konnten die knapp 20.000 BesucherInnen in direktem Vergleich das Werk der beiden Komponisten erleben. Dieser Vergleich machte schon deshalb Sinn, weil Kreneks erstes Violinkonzert Mitte der 1920er Jahre in Dessau, Weills Geburtsort, zur Uraufführung gelangt war – mit der Geigerin Alma Moodie, die ursprünglich auch das etwa zeitgleich entstandene Violinkonzert von Weill aus der Taufe heben sollte. Doch gibt es zwischen den beiden Zeitgenossen des Jahrgangs 1900 natürlich noch weitere Schnittmengen. So zählen Krenek und Weill zu den Shootings-Stars ihrer Generation, die mit ihren Bühnenwerken "Jonny spielt auf" beziehungsweise der "Dreigroschenoper" sensationelle Erfolge erzielen konnten. Außerdem waren beide Autoren der Universal Edition. Schließlich mussten sie auch das Exil schultern. Doch während Krenek mental immer Europäer blieb, der den Traditionslinien der Klassiker und der Wiener Schule folgte, stellte sich Weill den neuen Bedingungen, indem er die „Broadway Opera“ kreierte, die das moderne Leben fokussierte.

Wissenschaftlich wurde das Kurt Weill Fest 2016 von einer Tagung begleitet, die mit "Zeitgenossenschaft! Ernst Krenek und Kurt Weill im Netzwerk der Moderne" überschrieben war. Thematisch ergaben sich zwei Schwerpunkte, die auch der kürzlich erschienene Tagungsband widerspiegelt: einerseits vergleichende Analysen (Violinkonzerte, Streichquartette, Rilke-Vertonungen, Einakter), andererseits Persönlichkeiten, mit denen sowohl Krenek als auch Weill zu tun hatten: so Paul Bekker, Walther Brügmann oder Ernst Bloch. Schlaglichter setzen außerdem kindheitswissenschaftliche oder kunstgeschichtliche Beiträge, die sich etwa mit den Fotoporträts der beiden beschäftigen.

Auch wenn Krenek und Weill persönlich nur ein paar Mal aufeinandergetroffen sind (und dies wohl erst in New York, im Exil), schlug ihre postume Begegnung doch Funken, um so manch neue Facette ihres Lebens und Wirkens zu erhellen.

Dr. Matthias Henke

Zeitgenossenschaft! Ernst Krenek und Kurt Weill im Netzwerk der Moderne
Ernst-Krenek-Studien, Band 8
Herausgegeben von Matthias Henke
Verlag: Edition Argus

Inhaltsverzeichnis und Zusammenfassung

Herausgegeben in Kooperation mit der Donau-Universität Krems - Department für Kunst- und Kulturwissenschaften

Di, 12.11.2019, 11:42
Back to Top