Ötzi tanzt Foxtrott

Neuerscheinung

Als Ernst Krenek mit einem Freund 1922 durch die Ötztaler Alpen tourte, las er in einer Schutzhütte in einem Jahrbuch des Alpenvereins davon, „wie ein Gletscher manchmal Dinge oder selbst Menschen, erst Jahre später wieder zum Vorschein kommen lässt.“ Er war so fasziniert von diesem Phänomen, dass er sogar Ideen für die Bühne skizzierte. Zwei Jahre später kam das Projekte wieder auf, als er in der Schweiz lebte und sich mit der Introvertiertheit der Bewohner hoher Bergregionen konfrontiert sah, im glatten Gegensatz zu den weltlichen und frivolen Salonlöwen, die ihre Zeit in Hotelbars verbrachten und zu Jazzmusik tanzten. Davon angeregt entstand „Jonny spielt auf“, eine der erfolgreichsten Opern des 20. Jahrhunderts. Sie wurde zu solch einer Ikone der Roaring Twenties, dass sie von den Nazis verboten wurde, danach weitgehend in Vergessenheit geriet und selbst heute nur selten auf den Bühnen zu erleben ist. Und damit verschwand auch ein Großteil der Tanzmusik der Goldenen Ära.

Jetzt tauchen die Klavierstücke, die europäische klassische Komponisten in den 20er und 30er Jahren inspiriert von den amerikanischen, synkopierten Tänzen produzierten, wie gut erhaltene Mumien wieder auf und beginnen unter den Fingern des Wiener Pianisten Gottlieb Wallisch zu tanzen. Nach zweijähriger Recherche in weitverstreuten Archiven nahm er eine Anthologie solcher lohnenden Stücke (sowohl für seine Finger als auch für unsere Ohren) auf - von Tangos, Foxtrotts, Blues bis Charlestons.
Volume 1, Österreich und Tschechien gewidmet, bringt uns nicht nur Stücke aus Kreneks Jonny sondern auch einen Foxtrott aus Der Sprung über den Schatten. Kleine Juwelen von Benatzky, Petyrek, Ježek, Martinů, Schulhoff und zahlreichen anderen runden die Auswahl ab.

Dr. Mauro Piccinini

CD “20th Century Foxtrots Vol. 1”
Gottlieb Wallisch, Klavier
Label: Grand Piano
Erscheinung: 14.02.2020

Di, 10.03.2020, 14:58
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