Genuss des Unendlichen

Liederabend mit Alexander Kaimbacher

1931 komponierte Ernst Krenek unter dem wachsenden Druck der gesellschaftlichen Span-nungen den Zyklus „Durch die Nacht“ nach Texten von Karl Kraus; wie er selbst schreibt „In niedergeschlagener Stimmung […] weil ich spürte, dass eine noch größere Nähe zu ihm [Karl Kraus] mich vor der völligen Verzweiflung retten würde.“ Entstanden ist ein überaus eindringliches, textlich wie musikalisch äußerst dichtes Werk, seltenst zu hören; auf allen Ebenen von einer mitunter beklemmenden, schließlich aber auch visionären Gegenwärtigkeit. Das Visionäre unterstreicht Krenek kurz darauf nochmals in Liedern nach eigenen Texten, so im „Genuss des Unendlichen“.
Dieses Zentrum des Programms wird flankiert von Hanns Eisler-Vertonungen von Texten von Hölderlin und Brecht aus den 30er Jahren, auch diese nach 80 Jahren von einer unmittelbar aktuellen Wucht und – quasi als Kommentar aus der Gegenwart – einem Werk von Herwig Reiter.
Zu seiner Musik schreibt Krenek: „verwendete ich zum ersten Mal bewusst Figuren aus zwölf verschiedenen Tönen […] Im übrigen war das Idiom immer noch romantisch“ – dies trifft die Musik sehr genau, die mitunter wie ein von Schönberg überformter Richard Strauss anmutet.
Verdichtet wird die Aktualität des Programms – politische Musik im besten Sinne: die Polis, das Zusammenleben der Menschen betreffend, und doch in Text wie Musik klar über die menschliche Bedingtheit hinausweisend – noch durch Lesung Karl Kraus’scher Texte durch Udo Bachmair.

Personen

Alexander Kaimbacher, Tenor
Matthias Krampe, Klavier
Udo Bachmair, Lesung

Lutherische Stadtkirche
Dorotheergasse 18
1010 Wien
Österreich